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Quadrat nah am Vollformat

von Uwe Heimburger

Was mache ich nur. Nun besitze ich eine Vollformat-Kamera, aber einige meiner Optiken sind rein auf APS-C ausgelegt. Heißt konkret, dass der Bildkreis nicht groß genug ist, die Fläche eines 36 x 24mm großen Sensors auszuleuchten. Mit Vignettierung hat das nix mehr zu tun. Deutlich werden schwarze Kreisränder sichtbar. Ich möchte am Beispiel des APS-C Objektivs Pentax HD DA f4/15 Limited an der Vollformat-Kamera Pentax K–1 zeigen, daß es da auch etwas Positives zu entdecken gibt!

Basis ist eine Aufnahme, die ich vom Jochberg herunter auf den Kochelsee gemacht habe.

Blick durch den Sucher

Das folgende Bild zeigt in etwa das Sucherbild der Pentax K–1 mit HD DA15 Limited. 15 Millimeter Brennweite an der APS-C Kamera liefern einen Bildwinkel ähnlich einem 23mm-Objektiv an einer Vollformat-Kamera. Das sind ca. 77° im Quer- und ca. 55° im Hochformat. Ein vollformat-kompatibles 15mm-Objektiv liefert an der Vollformat-Kamera mit ca. 100° im Quer- und ca. 77° im Hochformat deutlich größere Bildwinkel.

 

Der Blick durch den Sucher läßt den deutlich zu kleinen Bildkreis des DA15 erkennen. Der schwarze Rahmen signalisiert, daß die K–1 aktuell im APS-C Modus betrieben wird. Er entspricht dem APS-C Bildausschnitt. Darüber hinaus sind Fokuspunkte mit zugehörigen “Klammern” und ein einfaches Gitter eingeblendet. Im APS-C Modus wird ein Bild mit ca. 15 Megapixeln erzeugt. Das entspricht ungefähr dem, was meine APS-C Kamera Pentax K–5 liefert.

Der APS-C Beschnitt läßt viel Sensorfläche ungenutzt. Da läßt sich mehr herausholen. Hierzu schalte ich die Kamera in den Vollformat-Modus um - der APS-C Rahmen verschwindet. Nun wird die volle Sensorfläche mit 36 Megapixeln genutzt. Die Änderung des Seitenverhältnisses für das Zielbild ermöglicht nun bei Einsatz von APS-C Optiken mit APS-C Bildkreis mehr Fläche zu nutzen - cool, oder? Dies wird mit doppelt so großen Bilddateien bezahlt und Nachbearbeitung ist unumgänglich.

 

Als optimale Arbeitsbasis für die Nachbearbeitung nehme ich das Bild im Raw-Format auf. Die Dateien haben eine Größe von bis an die 60 Megabyte. Im pentax-spezifischen Pixel Shift Resolution Modus (PSR) habe ich schon Dateien mit mehr als 170 MB erzeugt. Bei diesem Modus werden vier um ein Pixel versetzte Aufnahmen gemacht und miteinander verrechnet.  Auf diese Weise können bei optimalen Rahmenbedingungen genauere Farben, höhere Auflösung, größere Dynamik und weniger Rauschen in Bildern erzeugt werden. Im Raw-Modus werden die vier Aufnahmen je nach Konfiguration der Kamera in eine Raw-Bilddatei des Formats PEF oder DNG gepackt.

Beschnitt in der Bildnachbearbeitung

In der Nachbearbeitung sollen Weite der Landschaft und Höhe des Himmels spürbar werden. Um dies zu erreichen, muß ich mit meinem Beschnitt möglichst nah an den Bildkreis herangehen. Ein Beschnitt im Quadrat scheint mir zielführend. Das folgende Bild zeigt den maximalen quadratischen Beschnitt von 4700 x 4700 Pixel.

 

Der innere hellere Ausschnitt zeigt den maximalen quadratischen Beschnitt im APS-C Format (3200 x 3200 Pixel). Das sind ca. 55° Bildwinkel in der horizontalen und vertikalen. Nutzung der gesamten Sensorfläche mit Maximalausdehnung des quadratischen Bildausschnitts bringt immerhin knapp 74° Bildwinkel. Das ist deutlich mehr und entspricht fast den 77° eines vollformat-kompatiblen 15mm-Objektivs. Ein deutlicher Gewinn gegenüber dem APS-C Modus!

Vollformat-kompatible 15mm

Der äußere rechteckige Rahmen mit den leicht abgerundeten Ecken des letzten Bildes zeigt die volle Sensorfläche. Nach rechts und links bietet der Sensor noch Raum, der sich nutzen ließe. Es entstünde ein Bild mit gigantischer Weite. Da hilft dann nur ein Objektiv, das einen ausreichend großen Bildkreis bietet. Mittlerweile gibt es selbst für Pentax eine kleine Auswahl geeigneter Optiken. Gerade ist ein ganz neues vielversprechendes auf den Markt gekommen: das Irix 15mm in zwei Varianten. Das schau ich mir sicher mal an.

Eine Aufnahme, drei Bildvarianten

 

APS-C Querformat 3:2

 

APS-C Quadrat

 

Vollformat-nahes Quadrat bei Einsatz Pentax HD DA15 Limited

Schlußbemerkungen

  • Bei der Aufnahme mit dem DA15 Limited muß die Streulichtblende vollständig eingefahren sein. Ansonsten beschränkt sie das Bild massiv. Über eine Ersatzkonstruktion läßt sich aber auch eine im Durchmesser deutlich größere Sonnenblende ansetzen - oder man fotografiert ohne. Insbesondere das Pentax DA15 Limited ist sehr streulichtunempfindlich. Da ist das meist kein größeres Problem.
  • Eine exakte Bildkomposition bei der Aufnahme ist etwas schwierig, da weder der Sucher der Pentax K–1 noch LiveView dafür konzipierte Marken zur Ausrichtung unterstützen. Ich orientiere mich derzeit an den existierenden Gittern und an den Fokus-Klammern. Im Magazin Fine Art Printer 03/2016 erschien der Artikel “Zurück zum Quadrat - das Comeback des quadratischen Aufnahmeformats”. Dort wird als Option die Erstellung von Schablonen vorgestellt, die an der Kamera angebracht werden.
  • Durch den Beschnitt im Quadrat werden im Vergleich zum APS-C Querformat Bildrandbereiche abgeschnitten, die oft eher unscharf, “matschig” erscheinen. Da diese beim quadratischen Beschnitt zum Teil verschwinden, wirkt das Bild mitunter etwas schärfer.
  • Die oben beschriebenen 4700 Pixel funktionierten beim Beispielbild als Maximalwert sehr gut. In anderen Fällen kann es wegen auffälliger Vignettierung nötig sein, die Größe auf bis 4500 Pixel zu reduzieren. Das entspricht dann immer noch ca. 71° Bildwinkel.
  • Entsprechend meines Blog-Beitrags “Bilder im Rahmen” kann mit 4700 x 4700 Pixeln ein hervorragendes Bild der Größe von ca. 48 x 48 cm in 250 dpi für einen Betrachtungsabstand von 40cm gedruckt werden. Bei größerem Betrachtungsabstand läßt sich die Druckauflösung reduzieren, so dass problemlos noch größere Drucke möglich sind.

Mein Fazit: es lohnt für bestimmte Bildkompositionen mit einer APS-C Optik wie dem DA15 Aufnahmen im Vollformat-Modus durchzuführen. Es muss natürlich nicht unbedingt ein quadratischer Beschnitt sein. Das war hier lediglich ein Beispiel. Wie weit man hinsichtlich des Beschnitts gehen kann, hängt vom Bildkreis des verwendeten Objektivs ab. Am Zoom-Objektiv DA18-135 zeigt sich, dass sich mit Änderung der Brennweite auch die Größe des Bildkreises ändert. Er ist durchgängig eher knapp bemessen. Je kleiner der Bildkreis, desto weniger Spielraum beim Beschnitt. Andere APS-C Objektive kommen sehr nah an den Vollformat-Bildkreis heran, zum Teil zeigt sich eine verstärkte Vignettierung, die sich in der Nachbearbeitung  relativ leicht beseitigen läßt.

Die Pentax K-1 bietet viel Spielraum zum Experimentieren. Leider werden keine zusätzlichen Beschnittformate für die Nutzung während der Aufnahme angeboten. Das wäre für mich das i-Tüpfelchen auf dieser hervorragenden Kamera. Lachend

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