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von Uwe Heimburger

Viele Menschen meinen, dass ein Bild, das aus einer Kamera kommt, eine objektive Abbildung sei. Ist es das wirklich?

Während der Aufnahme wird das analoge Signal aller Fotodioden eines Sensors digitalisiert. Diese Daten repräsentieren mit einigen zusätzlichen Information die "rohen" (engl. raw) Aufnahmedaten. Aus diesen Daten erzeugt eine kamera-interne Software, der Raw-Konverter, ein auf einem Monitor darstellbares Bild. Die Steuerung des Konvertierungsprozess erfolgt über Standardparameter, die der Fotograf in Form eines Bearbeitungsprofils und weiteren Einstellungen wie z.B. dem Weissabgleich an der Kamera wählt.

So entsteht ein natürlich wirkendes Bild, oder aber eines, das nicht dem persönlichen visuellen Eindruck entspricht.

1.

Als Fotograf definiere ich durch Auswahl eines Kameraprofils meine Bildbearbeitungspräferenz. Meist nutze ich das Profil "Natürlich". Es soll den Raw-Konverter dazu bringen, ein Bild mit natürlichen Farben und Kontrasten zu erzeugen.

Nach Auslösen einer Aufnahme werden die vom Sensor wahrgenommenen Helligkeitsinformationen zusammen mit diversen anderen Informationen an den Raw-Konverter weitergegeben. Der Raw-Konverter interpretiert die Daten und setzt sie nach definierten Algorithmen (Verarbeitungsanweisungen) in ein reales Bild im Format JPG um. Ein Vorschaubild dieses Formats wird in jede erzeugte Raw-Datei eingebettet. Auch das im LiveView der Kamera gezeigte Bild basiert auf dieser Konvertierung.

Ricoh erklärt die für Pentax-Kameras gängigen Farbinterpretationen (Custom Image Profiles) auf ihrer Website. Diese Beschreibungen helfen, diese Profile besser zu verstehen.

Zu analogen Zeiten sah das Ganze etwas anders aus. Alle Prozesse basierten auf dem Zusammenspiel von Licht, Film, beschichtetem Papier und Chemikalien. Der Fotograf wählte einen bestimmten Film. Damit bestimmte er die grundlegende Empfindlichkeit, Farbtemperatur und Farbcharakteristika, Kontrast und Körnung. Sehr ambitionierte Fotografen entwickelten Film darüber hinaus selbst und belichteten die auf Film aufgenommenden Bilder auf Fotopapier. So konnten sie ihre Bildvision mit weitreichender Kontrolle umsetzen. Hand in Hand entstand aus Kreativität und Handwerkskunst ein Fotokunstwerk.

Der ganze Prozess von der Aufnahme bis hin zum Bild ist durch den Einsatz digitaler Technologien deutlich vereinfacht und beschleunigt. Beliebige Variationen kein Problem. Das obige Bild auf gelblichem Papier gedruckt könnte so aussehen ...

2.

In der digtalen Konvertierung und Bildbearbeitung lassen sich letztlich endlos viele Varianten eines Bildes entwickeln. Sie wirken unterschiedlich, basieren aber auf exakt denselben Aufnahmedaten.

Im Lieferumfang des Raw-Konverters Capture One Pro sind Bildbearbeitungsprofile unter dem Namen Benutzerstile (engl. Styles) enthalten. Diese mitgelieferten Styles nutze ich selten. Für wertvoller halte ich es, selbst zu lernen, mit welchen Werkzeugen ich welche Ergebnisse erzielen kann. Das geht nur mit wiederholtem Anwenden und Erfahrung sammeln. Wenn man die Bearbeitungsregeln der mitgelieferten Styles studiert, kann man allerdings auch viel über die Anwendung der Werkzeuge lernen.

Das folgende Bild zeigt eine Variante, die ich ohne vorgefertigten Stil entwickelt habe - filigran sollte die Wirkung sein. Die feinen Strukturen der Äste sollten im Vordergrund stehen.

3.

Es kommt jedoch auch vor, dass mich ein vorhandener Benutzerstil fasziniert. Daher lohnt es, mal durch die vorhandenen Optionen zu klicken. Vielleicht finde ich Fertigkost, die mir schmeckt. Verfeinern kann ich immer nach Belieben.

Als Beispiel eine mit Benutzerstil Lomo Style 3 entwickelte Bildvariante. Die Entwickler setzen hier offensichtlich bewusst auf starke Vignettierung, Kontrast und Betonung von Blau. Ein himmelweiter Unterschied zur vorherigen Schwarzweiss-Entwicklung.

4.

Die Aufnahme entstanden mit 11-18mm Zoom-Objektiv bei 15mm Brennweite an der digitalen Vollformat-Kamera.

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