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Pentax AF201FG mit Cactus V6 Funk

von Uwe Heimburger

Seit kurzem besitze ich einen kleinen handlichen Blitz für meine Pentax Spiegelreflexkameras. Es handelt sich um den Pentax AF201FG. Der bietet nicht besonders viel. Er ist aber eine sinnvolle Ergänzung für Besitzer einer Pentax K-3 II oder Pentax K-1. Denn diese Kameras bieten keinen integrierten Blitz. Er erfüllt darüber hinaus die Voraussetzungen, ihn mit meinen Cactus V6 Funkauslösern (Radio Trigger) einzusetzen. Da diese Funkauslöser kein Profil für diesen Blitz mitbringen, muss man mittels V6-Lernprogramm ein entsprechendes Profil erzeugen. Dann klappt auch der Fernbetrieb des AF201FG.

In diesem Beitrag beschreibe ich, welche Klimmzüge notwendig waren, das System zum Laufen zu bringen.

Pentax AF201FG

Einige Merkmale des Pentax AF201FG:

  • Sehr gut verarbeiteter kleiner PTTL-Blitz mit einfachem manuellem Modus
  • Sehr begrenzt in der Funktionalität. Häufigste Kritik: unterstützt keinen PTTL Drahtlosbetrieb - weder als Controller noch als Slave
  • Nur Leitzahl 20. Ist nicht "erweiterbar" wie ein Metz AF26-2. Meiner Meinung nach ist Leitzahl 20 für die meisten Situationen ausreichend und ist wesentlich mehr als ein kamera-interner Blitz bietet. 
  • Bildwinkel eines 24-mm Vollformat-Objektivs unterstützt; mit der Weitwinkelscheibe sogar der Winkel eines 20mm-Objektivs (FF 24/20, APSC 16/13mm, 645Z/645D 30/25mm), keine Zoom-Funktionalität
  • Sehr leicht - es ist eine wahre Freude den Blitz zusammen mit einem Cactus V6 drahtlos in einer Hand zu nutzen, und die Kamera in der anderen.
  • Verwendet 2 AAA-Batterien oder Akkus - ich empfehle eneloop Akkus.
  • Sehr einfach zu bedienen - der Modus-Knopf läßt sich einhändig mit dem Daumen derselben Hand drehen - sehr praktisch!
  • Der Blitzkopf läßt sich sehr flexibel vertikal schwenken: ein Schritt nach unten, mehrere nach oben und ab 90° nach hinten. Das Schwenken nach unten wird durch den seitlichen Knopf fixiert.

Blitz Pentax AF201FG auf Pentax-DSLR

Der Blitz bietet einen manuellen Betrieb in zwei Stufen: volle und 1/4 Leistung. Obwohl nicht offiziell beworben scheint dieser wie auch andere Pentax-Blitze, das analoge TTL-Format zu unterstützen. Dies ist die Eintrittskarte mittels V6-Lernprogramm ein V6-Blitzprofil erstellen zu können. Dieses Profil dient der Übersetzung des analogen TTL-Signals ins V6-Funksignal und umgekehrt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Blitz über die Cactus V6 Transceiver per automatischem PTTL-Betrieb der Kamera gesteuert werden kann. Jedoch ist es möglich, den Blitz in der Stärke manuell V6-fernbedient zu regulieren.

Erster Lernversuch

Der erste Test im Lern-Modus des Cactus V6 mit dem Pentax-Blitz zeigt, dass der Blitz akzeptiert wird. Darüber bin ich zunächst sehr erfreut. Denn das klappt mit dem großen Metz Mecablitz 52 AF–1 digital (Pentax-Version) nicht! Dieser scheint Analog-TTL nicht zu unterstützen.

Da der kleine Pentax AF201FG nur 2 manuelle Blitzstufen unterstützt, full und 1/4, gibt'ss am Ende die Fehlermeldung “Not enough data”.

Zusätzliche manuelle Leistungsstufen

Eine im us-amerikanischen Pentax-Forum geäußerte Idee bringt die Rettung. Stichwort: füge einige Leistungsschritte unter Zuhilfenahme von ND-Filtern (Graufiltern) hinzu.

Da ich nur zwei stärkere ND-Filter besitze, denke ich über andere Möglichkeiten nach. Da habe ich die Eingebung, dass der Lee Filterfolien-Katalog, den ich vor einiger Zeit für die Blitzfotografie gekauft habe, auch ND-Filterfolienstreifen (90 x 38 mm) enthalten könnte. Ich finde tatsächlich ND-Streifen der Stärken 0.3, 0.6, 0.9 and 1.2.

Nun benötige ich nur noch einen Halter zur Befestigung der Folien am Blitz. Ich entwerfe einen einfachen und fertige ihn mittels Decoupiersäge aus Plexiglas. Anschliessend richte ich den V6 mit Blitz so ein, dass die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen erfüllt sind.

Blitz auf V6, Lee-Filterfolien-Katalog, gebastelte Halterung aus Plexiglas und Gummiband

Lernen

Ich starte den V6-Lernmodus. Nach einigen Versuchen und Fehlern beendet der V6 das Lernprogramm erfolgreich. Ich kann zwar nur zwei zusätzliche Leistungsstufen erzeugen. Dies reicht aber zur Erstellung eines Blitz-Profils. Ich nenne es AF201.

Die manuellen Leistungsstufen:

1/1 (Wahl am Blitz) - 1/2 (= 1/1 + 0.3 ND) - 1/4 (Wahl am Blitz) - 1/8 (= 1/4 + 0.3 ND). Der Versuch mehr Schritte zu erzeugen endet mit einem Fehler.

Eine Reihe Testaufnahmen mit dem K1-V6-V6-AF201FG Setup im PTTL-Modus zeigt mir, dass ich die Leistung des drahtlos getriggerten Blitzes ferngesteuert per Funksignal regulieren kann - cool. Dabei sitzt ein V6 auf der Kamera und dient als Sender (Transmitter), der andere V6 trägt den Blitz und dient als Empfänger (Receiver).

Blitz mit Filterhalterung und ND-Filter auf V6 im Rx-Modus (Receiver, Empfänger)

Schritte zwischen den konkret gelernten Leistungsstufen kann der V6 interpolieren. Ich kann von 1/1 bis hinunter zu Leistungsstufe 1/128 am V6 selektieren. Der Blitz paßt die Leistung mit jeder Stufe an - super!

Will ich den AF201 mit dem V6 einsetzen, muss ich nun nur noch das gelernte Blitz-Profil AF201 aus der Liste der gelernten V6-Profile auswählen.

Hypothese zur Funktionsweise

Der V6 weiss eigentlich gar nichts über den Blitz und die von ihm unterstützten manuellen Leistungsstufen. Ein paar Basisinformationen für Berechnungen erfragt er zu Beginn des Lernprogramms. So muss man ihm die Leitzahl des Blitzes mitteilen. Daneben gibt man die Marke des Blitzes an und teilt ihm so mit, welches herstellerspezifische TTL-Signal zu interpretieren ist.

Dadurch, dass ich dem V6 die Leitzahl mitteile, kennt er die obere Spannungsgrenze. Zwischen der unteren Spannungsgrenze 0 und der oberen muss der V6 die Schritte manuell lernen. Mit jedem Leistungsschritt löst man den Blitz manuell aus. Der V6 mißt das von der einen Meter entfernten weißen Wand im Dunkeln reflektierte Licht (normalisierte Umgebnung). Ich vermute, dass das gemessene Licht Indikator für eine bestimmte Spannung in Volt ist.

Ich stelle mir eine Funktion f(Leistungsstufe x) = y Volt vor. In anderen Worten, der V6 lernt welche Spannung er mit welchem manuell gegebenen Schritt assoziieren muss. Im Falle des AF201FG gibt es nur zwei manuelle Schritte. Das bedeutet ich habe drei Punkte in einer funktionalen Kurve. Auf der x-Achse: 0 - 1/4 - 1/1 und jeder x-Wert erhält eine Spannung y = f(x) auf der y-Achse.

Der V6 Lernprozess startet mit voller Leistung, bei der man den (P)TTL-Modus (Analog-TTL) selektiert haben muss. Die folgenden Schritte sind linear manuell zu begleiten: 1/2 - 1/4 - 1/8 - 1/16 - 1/32 - 1/64 - 1/128. Jeden Schritt, den der Blitz nicht unterstützt, muss man überspringen. Da ich nicht wußte, welche Schritte der AF201FG intern unterstützt, habe ich dies einfach ausprobiert.

Zwei Schritte führten wie bereits oben berichtet zu einem Fehler ähnlich "Error - not enough data." Also muss ich Schritte hinzufügen und den V6 damit "austricksen", um mehr Daten zu liefern.

Exposure Value (EV) ist die Basis für ISO-Zeit-Blende-Berechnungen. Ein 0.3 ND-Filter reduziert das Licht um einen EV-Schritt, 0.6 zwei, 0.9 drei u.s.w. - eine lineare Folge. Dies funktioniert analog der Berechnungen mit Blende, Zeit und ISO. Man kann mehrere ND-Filter kombinieren und die Wirkung addiert sich.

Daher war meine Idee, den V6 in Schritten (Leistungsstufen) bis hinunter zu 1/128 auszutricksen. Das funktionierte nicht. Das Ende war bei Leistungsstufe 1/8 erreicht. Ich mußte also nur den ND 0.3-Folienstreifen zusätzlich zu den nativen Leistungsstufen 1/1- und 1/4 einsetzen. Warum dies so ist, kann ich nur vermuten. Ich vermute, dass es mit der Leitzahl und der mit ihr assoziierten Spannung zusammenhängt. Ich weiss es allerdings nicht wirklich.

Spekulative Zusammenfassung

Der V6 erhielt 5 funktionale Schritte, die er mit einer Spannung in Volt assoziierte: 1/1 - 1/2 - 1/4 - 1/8 - 0. Die Schritte (Leistungsstufen) dazwischen interpoliert er auf Basis einer allgemeinen mathematischen Interpolationsmethode. Leistungsstufen und mit ihnen assoziierten Spannungen zur Steuerung der Blitzleistung werden im Blitz-Profil abgelegt. Dieses Profile ist künftig aus der Liste der gelernten Blitz-Profile auswählbar.

Anleitung zum Einsatz und Übung

Cactus V6 mit Pentax AF201FG an der Pentax K-1 einsetzen:

  • Wähle an der Kamera einen der Programm-Modi M, X oder B. Wenn ein ein Programm wie Av ausgewählt wird, ist mit geeigneter ev-Kompensation zu arbeiten (Key Shift). Ansonsten wird das Bild überbelichtet.
  • Setze einen V6 auf die Kamera und wähle den Tx-Modus (Tranceiver, Sender)
  • Setze den Blitz auf den zweiten V6, wähle den Rx-Modus (Receiver, Empfänger) wähle das erlernte Profil aus und wähle am Blitz Auto (PTTL).
  • Hinweis 1: in den Programmen M, X und B zeigt eine Ev-Kompensation keine Wirkung
  • Hinweis 2: Die Option Passthrough am V6 erlaubt den zusätzlichen Einsatz eines Blitzes im PTTL-Betrieb auf der Kamera.

Übung zur Demonstration der Blitz-Leistungsstufen:

  • Baue eine Szenerie auf, die Du fotografieren möchtest. Positioniere ein Stativ mit Kamera-V6-Kombination. Den zweiten V6 mit Blitz stelle im gewünschten Winkel zur Szene.
  • Wähle den Programm-Modus M an der Kamera
  • Wähle ISO, Zeit und Blende, so dass gerade noch ein schwarzes Bild erzeugt wird. Fokussiere und mache eine Aufnahme ohne Blitz.
  • Jetzt aktiviere beide V6 und wähle 1/128 am V6-Sender (Kamera). Der zweite V6 sollte diese Nachricht per Funksignal erhalten und dies durch eine blinkende LED anzeigen. Mache ein Bild. Der Blitz sollte entsprechend der eingestellten Leistungsstufe blitzen. Wiederhole den Vorgang bis die Leistungsstufe 1/1 erreicht ist.
  • Anschließend zeige ein Bild nach dem anderen auf dem Kameradisplay an. Es sollten die Unterschiede in der Belichtung deutlich werden. Die letzten Bilder können überbelichtet sein. Auf diese Weise erhält man einen Eindruck, was möglich ist, wenn man den Blitz kreativ einsetzt.

Blitzen mit manuellem Objektiv an der Kamera

Beim Einsatz manueller Objektive kann man den automatischen PTTL-Modus nicht nutzen. Hierfür fehlt die Übermittlung der am Objektiv eingestellten Blende. Der manuelle Modus des Pentax AF201 ist mit zwei Leistungsstufen sehr limitiert.

Daher muß man, um eine gute Belichtung zu erreichen, die Blende oft sehr weit schließen, um das Licht, das auf den Sensor trifft, zu reduzieren. Dies ist unglücklich, wenn man mit weit geöffneter Blende arbeiten möchte, um eine geringe Schärfentiefe zu erhalten. Natürlich kann man mit verschiedenen ND-Filtern arbeiten. Deren Einsatz ist eher unkomortabel und birgt zusätzliche Nachteile. 

Hier kommt der V6 ins Spiel. Diesmal nicht als Drahtlos-Lösung, sondern mit der Fähigkeit den AF201FG manuell deutlich feiner regulieren zu können - nach meiner Meinung ein echtes Highlight!

Wenn man einen Cactus V6 zwischen Kamera und Blitz setzt, kann man die Lichtemission von 1/128 bis 1/1 in kleinen inkrementellen 1/2-, 1/3- oder 1/10 Ev-Schritten regulieren. Die Schrittweite ist am V6 konfigurierbar.

Das machte es einfach, ein manuelles Objektiv wie das Pentax M1.7/50 mit offener Blende und Blitz einzusetzen.

Die Einstellungen:

  • Setze den Cactus V6 auf die Kamera und den Blitz oben drauf.
  • Wähle an der Kamera den Programm-Modus X (fest Synchronisationszeit), M  oder B (min. Synchronistationzeit: K-1 1/200, K-5 1/180)
  • Wähle am V6 den Tx-Modus (Transmit, Sender)
  • Entsperren / Sperren des Wahlrads erfolgt durch 2 Sek. Drücken des Wahlrads.
  • Stelle sicher, dass der V6 TTL-Passthrough-Modus deaktiviert ist - wenn er aktiviert ist (TTL Icon auf der linken Seite des V6-displays sicht) drücke den Menü-Knopf (rechts) 2 Sekunden lang. Der Modus sollte dann deaktiviert werden.
  • Optional: da der AF201FG lediglich auf der Kamera eingesetzt wird, kann man alle Gruppen deaktivieren. Die Gruppeneinstellungen sind nur im Wirelessbetrieb wirksam.
  • Wähle am V6 das gelernte Blitz-Profil AF201 (wenn so benannt) aus.
  • Leistungswert des direkt angeschlossenen Master-Blitzgeräts einstellen: Drücke den Menü-Knopf (rechts) und zur selben Zeit drehe das Wahlrad (links) bis der gewünschte Leistungswert (1/1 ... 1/128) für den Blitz eingestellt ist.
  • Wähle am AFZ201FG den Modus Auto (PTTL)
  • Teste die Konfiguration durch Änderung des Leistungswerts am V6 bis der richtige Belichtungswert für die Szene gefunden ist.  

Für dieses nette Feature benötigt man nur einen Cactus V6!

Blitzen mit Master und einer Gruppe

Mit zwei Blitzen kann eine Lichtsituation bereits weitreichend gestaltet werden. Exemplarisch sei folgendes einfaches Setup gewählt:

  • Ein kleiner Aufhellblitz mit geringer Leistung frontal zum Objekt. Er wird direkt auf einem V6 auf der Kamera montiert. Die Einstellung dieses Master-Blitzes erfolgt wie im Kapitel "Blitzen mit manuellem Objektiv an der Kamera" beschrieben. Alternativ könnte hier auch mit TTL-Passthrough Funktion und somit mit Automatik-Modus PTTL gearbeitet werden. Dann würde der Blitz allerdings nicht durch das V6-System, sondern durch die Kamera gesteuert werden müssen. Diese Option sei hier nicht betrachtet.
  • Ein zweiter leistungsfähiger Blitz wird auf der Wireless V6-Einheit montiert und wie in Kapitel "Anleitung zum Einsatz und Übung" eingesetzt. D.h. der Blitz wird in einer Slave-Gruppe im Rx-Modus betrieben und somit gesteuert. Die Einstellungen der Gruppe erfolgen an der auf der Kamera montierten Master Tx V6-Einheit. Der Blitz wird über Gruppe und Kanal adressiert.

Hat man mehrere Blitze in einer oder mehreren Slave-Gruppen im Einsatz, macht es Sinn, die Steuerung von "Relative" auf "Absolute (Setup)" zu setzen.

Dann werden die Blitze nicht über die Leistungsstufe (Bruchwert), sondern über abgestimmte EV-Werte gesteuert. Die Steuereinheit fragt alle verbundenen Blitze bzw. deren V6-Einheiten ab und konfiguriert anschließend deren Zusammenwirken auf Basis der individuellen Leitzahlen der Blitze.

So läßt sich die Ausleuchtung von Szenerien einfacher abschätzen und damit konfigurieren.

 

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