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Musikstudio portabel

von Uwe Heimburger

Schon länger schaue ich mich nach einem flexiblen portablen Audio-Interface für mein iPad um. Als ich kürzlich Berichte über das Aufnahmegerät SonicPort VX von Line6 las, wurde ich sofort hellhörig. Es lässt sich in Kombination mit iOS-Geräten und auch am Mac oder PC betreiben.

SonicPort VX mit iPad Mini verbunden (Aufnahme: Pentax K-5 und Objektiv Pentax-M f1.7/50mm)

Abbildung: SonicPort VX mit iPad Mini verbunden
(Aufnahme: Pentax K-5 mit Objektiv Pentax-M f1.7/50mm)

Zur Ausstattung gehören ein eingebautes Stereo- und ein Mono-Mikrofon sowie Gitarren- und Aux-Eingang. Als Ausgänge findet man Kopfhörer- und zwei symmetrische 6,3 mm Line-Ausgänge für den Anschluss an externe Geräte vor. Letztere erlauben es, das Signal z.B. direkt in eine PA (Beschallungsanlage) einzuspeisen. Über den eingebauten Micro-USB-Anschluss können iPad oder iPhone mit Strom versorgt werden. Am Apple Mac oder PC angeschlossen, wird das VX zum Audio-Interface. Am iOS-Gerät (iPad, iPhone) geschieht dies über eine proprietäre Lightning-Verbindung. Der Datenverkehr zwischen VX und iOS-Gerät oder Mac/PC erfolgt voll digital und damit ohne Qualitätseinbußen.

Historie

Musikstudio portabel - was hat dieses Thema eigentlich auf meiner Foto-Website zu suchen? Ganz einfach! Da das Musizieren seit Urzeiten wie die Fotografie zu meinen Hobbies zählt, hat die gelegentliche Aufnahme meiner Musik lange Tradition. Irgendwann hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Diashows in Überblendtechnik mit Musikuntermalung zu entwickeln. Ich legte mir zunächst eine computer-steuerbare Kindermann-Diaprojektoren-Kombi zu. Dazu gesellte sich wenig später das TASCAM Portastudio 464, ein 4-Spur-Master-Kassettendeck. Die Signale zur Steuerung der Diaprojektoren konnten auf einer Spur aufgezeichnet werden, Geräusche und Musik in Stereo auf zwei weiteren Spuren. Dadurch war es möglich, den Ablauf einer Dia-AV Show (AV = Audio Vision) vollautomatisch über das Kassettendeck zu steuern. Ergänzend entwickelte ich eine Software zur direkten Steuerung der Dia-Projektoren auf meinem ATARI Mega ST 1. So brachte ich drei Interessen unter einen Hut: Fotografie, Musik und Software-Entwicklung. Das war Anfang der 1990er Jahre. Später gings dann mit der Musikaufnahme auf dem Computer weiter. Hier setzte ich bald die Software Cubase ein. Und so kommt es, dass ich das Thema "Musikstudio portabel" nicht "off topic", sondern weitläufig dem Thema Equipment für Bild-Präsentation zuordne.

Cubasis for iPad, Cubase (Mac, Windows-PC)

In Kombination mit einer DAW-Software (Digital Audio Workstation) auf dem iPad erhält man mit dem VX ein vollfunktionsfähiges portables kompaktes Musikstudio. Ich setze Steinbergs Cubasis ein.

Als "Abhöre" kommt der geschlossene Kopfhörer KRK KNS-8400 zum Einsatz. In Cubasis kann ich kleine Projekte mit mehreren Spuren aufnehmen, mit Effekten versehen und zu einem Song abmischen. Die Software besitzt sogar einen Brickwall-Limiter. Er verhindert, dass das Signal übersteuert abgegeben wird. Für umfassendere Bearbeitung lassen sich die Projekte nach Installation einer kostenlosen Cubase-Erweiterung in die professionelle Mac/PC App Cubase ab Version 7.5 importieren.

Meine ersten Tests mit dem VX zeigen, dass die Mikros für meine Anwendungsfälle ausreichend guten Ton und gutes Rauschverhalten liefern. Sie kommen im Auflösungsvermögen allerdings nicht an deutlich teurere hochwertige Kondensator-Mikrofone heran. Auch mit dem Gitarreneingang bin ich sehr zufrieden. Leider gibt es zu diesem keinen Eingangsregler. Die Regelung muss an der Gitarre erfolgen. Auch für den Kopfhörer-Ausgang gibt es keinen Regler. Die Regelung kann, sofern vorhanden, über einen Regler im Kopfhörerkabel oder direkt am iOS-Gerät erfolgen. Leider rauscht das Kopfhörer-Ausgangssignal des VX relativ stark. Auf den Aufnahmen ist dieses Rauschen nicht zu hören. Kommt man ohne das optionale Direct-Monitoring aus, kann man den deutlich weniger rauschenden Kopfhörer-Ausgang des iOS-Geräts nutzen. Beim Overdubbing ist das Direct-Monitoring wegen Minimierung der Latenzzeit (Signalverzögerung) allerdings empfehlenswert.

Am Mac als Audio-Interface betrieben zeigt Cubase für das VX je zwei Eingangs- und zwei Ausgangskanäle. Diese Kanäle agieren entweder als ein Stereo-Kanal oder zwei Mono-Kanäle. Mittels Schalter am VX werden die Eingänge auf diese Kanäle geroutet. Einstellungen sind Gitarre, Stereo-Mikrofon und Mono-Mikrofon. Die Einstellung Mono-Mikrofon hält auch den Gitarreneingang aktiv. So liegt das Mikrofon auf Eingang 1 bzw. L und die Gitarre auf Eingang 2 bzw. R. Die Belegung des Aux-Eingangs schaltet alle anderen Eingänge inaktiv. Das Signal wird in Stereo exklusiv auf den Eingangskanal geroutet. Der Aux-Eingang ist somit nicht als zusätzlicher Eingangskanal verfügbar. Auf MIDI-Schnittstellen muss man leider verzichten.

Schmankerl wie z.B. Phantomspeisung für XLR-Eingänge oder symmetrische 6,3mm Line-Eingänge fehlen ebenfalls am VX. Da hat mein "standalone portable" TASCAM DR-40 klar die Nase vorn. Mit guten externen Kondensator-Mikrofonen erziele ich hörbar bessere Aufnahmequalität. 

Wenn ich mir diese Qualität wünsche, kann ich VX mit iPad und DR-40 mit höherwertigen externen Kondensator-Mikrofonen parallel betreiben. Über Cubasis können beispielsweise Metronom, Drum- und Bass-Spur abgehört und gleichzeitig mit den externen Mikrofonen Spuren auf dem DR-40 aufgenommen werden. Die Aufnahmen des DR-40 sind dann in das DAW-Projekt zu übernehmen und gemeinsam mit den bereits vorhandenen Spuren abzumischen. Bei diesem Vorgehen ist darauf zu achten, dass beide Systeme mit derselben Sampling-Rate und Bit-Tiefe eingesetzt werden. Maximale Qualität gibt's mit 48 kHz und 24 Bit. Zu Beginn der Aufnahme sollte man ein kurzes lautes Signal entsprechend einer Filmklappe aufnehmen. Dann lassen sich die Aufnahmen leichter synchronisieren.

Durch die Nutzung verschiedener Apps mit dem SonicPort VX erhält man sehr leistungsfähige und flexible Jam- und Recording-Lösungen. Neben Cubasis nutze ich auch Voice Record Pro, Mobile Pod und Notion für die Musik-Produktion.

Voice Record Pro - Stereo-Recorder (iPhone, iPad)

Leider läuft Cubasis nur auf dem iPad. Das trage ich seltener mit mir herum. Das iPhone ist in der Regel immer dabei. Daher habe ich mich auf die Suche nach einer einfachen Recording App für's iPhone gemacht. Ich bin fündig geworden. Meine iPhone Recording App für die Zukunft heisst Voice Record Pro. Sie harmoniert wie Cubasis mit dem Audio-Interface SonicPort VX sehr gut.

Voice Record Pro bietet fast alle Möglichkeiten zur Einstellung von Parametern, die vorstellbar sind.

Für Novizen sind sicher die Recording Presets interessant. Es werden die Record Quality Presets Low, Medium und High angeboten. Im Bereich Advanced sind alle Parameter frei konfigurierbar.

Samplingraten sind bis 96kHz einstellbar, die Bittiefe bis 32Bit! Die App bietet unterschiedliche Pegelanzeigen, und die Empfindlichkeit des Mikros läßt sich einstellen. Darüber hinaus bietet es mit der einstellbaren Silence Detection eine gate-ähnliche Funktion. Aufnahmen sind in Stereo oder Mono möglich. Gespeichert wird im Format wav, mp3 oder mp4. Kommentare können eingegeben werden und in Abhängigkeit des Formats auch ID3 Tags. Die aufgenommen Dateien lassen sich mit Markern versehen und die Abspielgeschwindigkeit ist regulierbar.

Zu guter letzt besitzt die App auch noch hervorragende Möglichkeiten hinsichtlich Konnektivität. D.h. die Aufnahmen lassen sich problemlos auf iPad, Mac, Windows-PC oder in die Cloud übertragen.

Wer Interesse an einer guten funktional umfangreichen Stereo-Recording App für iPhone und iPad hat, sollte sich diese Lösung mal genauer anschauen. 

Mobile Pod - Amp-Simuationen & Effekte (iPhone, iPad)

Möchte man auf dem iPad Effekte zusätzlicher Apps z.B. für die Gitarre verwenden, geht dies mittels Apples Inter-App Audio oder mittels Audiobus-App. Beide verknüpfen Music-Apps, die die Funktionalität unterstützen. Bei Nutzung dieser Verknüpfungsfunktionalitäten empfiehlt Steinberg die Sample-Rate 44,1KHz. Ansonsten bestehe die Gefahr von Knackgeräuschen.

Das Signal der Mobile Pod App über die Line-Ausgänge direkt in Aktivlautsprecher oder eine PA (Beschallungsanlage) eingespeist liefert auf Basis von Amp-Simulationen und Gitarren-Effekten satten Sound.

Notion - Klassische Notennotation (iPhone, iPad, Mac)

Eine weitere herausragende App zur Musikproduktion ist Notion. Mit ihr kann man Musik mit klassischem Notenbild scheiben! Die Eingabe ist direkt in der App auf Basis virtueller Instrumente für Piano, Gitarre und Drum-Pads möglich, die Noten können aber auch direkt im Notensystem gesetzt werden. Selbst Text-Eingabe wird unterstützt. Mittels MIDI-Instrument, z.B. einem MIDI-Keyboard, können die Noten auch direkt aufgenommen werden. Meiner Meinung nach für alle Fans klassischer Notation sehr empfehlenswert, da sowohl für iOS Mobile-Geräte als auch für Mac und PC erhältlich. Die erzeugten Dateien sind zwischen den Plattformen austauschbar.

Blood Moon

Zum Abschluss ein kleines von mir improvisiertes Stück benannt nach dem roten Mond der totalen Mondfinsternis am 28.09.2015: "Blood Moon". Es entstand im Rahmen meiner Tests mit iPad Mini, angeschlossenem SonicPort VX und Cubasis - drei Spuren: Rhythmuspattern und Melodie auf Akustik-Gitarre, eine Spur mit Bongo-Elementen. Aufnahme mittels VX-Einstellung Stereo-Mikrofon, Samplingrate 44,1kHz, 24Bit. Abgemischt im Format mp3 mit leichtem Hall verfeinert. Eine kleine Demo, kein Meisterwerk - viel Spass beim Zuhören!

Mein Fazit

Mit iPad plus SonicPort VX plus Cubasis hat man zu einem vergleichsweise günstigen Preis ein super-portables kompaktes Musikstudio mit sehr guter Aufnahmequalität und Ausstattung (Strassenpreis VX ca. 170,- €, Cubasis for iPad 49,99 €). Für Gitarristen gibt's die App Mobile Pod von Line6 für iPhone und iPad zum VX kostenlos obendrauf. Für 2,99 € wird Voice Record Pro werbefrei. Notion for iPad/iPhone ist bis 31.10.2015 für 7,99 € zu haben. Für reine Mitschnitte von Konzerten, Naturgeräuschen etc. ist ein digitaler Standalone-Recorder wie der DR-40 aus meiner Sicht die geeignetere Lösung. Hinsichtlich iOS-Anbindung sieht's mit diesen Geräten allerdings düster aus. 

Ursprünglicher Beitrag 01.10.2015, Update 11.10.2015 

Copyright Uwe Heimburger

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