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Mehr Schärfentiefe

von Uwe Heimburger

Die Bilder meines letzten Ausflugs zeigen größeren Ausschuß als erwartet. Habe die Schärfentiefe des Superweitwinkel-Objektivs Pentax DA15 bei Blende 8 mit kurzer Entfernungseinstellung etwas überschätzt. So erscheinen entferntere Objekte, die ich auf dem Bild scharf haben wollte, unscharf.

Mithilfe von Focus Stacking läßt sich Vorder- bis Hintergrund in der Theorie vollständig scharf abbilden. Mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichem Fokus werden dabei zu einem Bild mit durchgängiger Schärfe verrechnet. Kritisch sind dabei sich bewegende Objekte. Es kommt in diesen Fällen oft zur Mehrfachabbildung von Bildbereichen. Die von mir verwendete Software Helicon Focus hilft bei der Retusche dieser unerwünschten Artefakte.

In der Makrofotografie setze ich Focus Stacking bereits ein, in der Landschaftsfotografie bisher nicht. Ein praktischer Test soll mir zeigen, ob diese Technik mit dem DA15 bessere Ergebnisse liefert als ohne.

Also Stativ und kleines “Kameragepäck” eingepackt und in die Aubinger Lohe gefahren. Ich zeige drei Bildbeispiele. Die erste Aufnahme jeweils ohne die zweite mit Fokus Stacking. In die Berechnung gingen drei bis 4 Bilder ein.


1

Die Aufnahmen entstanden mit Blende 6.3 - die Winterlinge links im Vordergrund sind weniger als 0,5 Meter entfernt. Die Winterlinge oben rechts im Hintergrund sollten ebenfalls möglichst scharf abgebildet sein. Die zweite Aufnahme zeigt deutlich mehr Details. Dies ist bereits in dieser kleinen Abbildung gut zu erkennen.


2

Diese Aufnahmen entstanden mit Blende 8 - das Bild sollte vom Holz rechts vorn bis ganz hinten zu den Bäumen und Büschen scharf abgebildet werden. Auch hier zeigt die zweite Aufnahme im Hintergrund deutlich mehr Details. Dies ist in dieser kleinen Abbildung nicht so gut zu erkennen, in den Bildern in Originalgröße allerdings deutlich. Die Details des gestackten Bildes haben mich sehr überrascht. Rechts im Vordergrund bewegte sich der Grashalm leicht. So erscheint er zweifach abgebildet. Ich habe es mir erspart, diese Dopplung zu retuschieren.


3

Diese nicht perfekten Aufnahmen entstanden ebenfalls mit Blende 8. Der Abstand zum Grasbüschel im Vordergrund betrug etwa einen Meter. Auch hier zeigt die zweite Aufnahme im Hintergrund deutlich mehr Details, ebenfalls in den Originalaufnahmen besser zu erkennen.


Reihenaufnahme fürs Focus Stacking

Wenn ich eine durchgängig hohe Schärfe mit Details vom Vordergrund bis zum entferntesten Punkt wünsche, und es die Rahmenbedingungen erlauben, macht es Sinn mit dem DA15 Focus Stacking zu betreiben. Drei bis vier Aufnahmen mit Blende 8 sollten dabei in der Regel ausreichen. Beginnend mit Scharfeinstellung des scharf abzubildenden Objekts im Vordergrund, dann mit Hilfe der Schärfentiefenskala die weiteren Einstellungen wählen. Der Autofokus ist bei diesen Aufnahmen natürlich Tabu.

Daumenregel: Bei Einstellung des Abstandes auf einen Meter und Blende 8 beginnt der scharf abgebildete Bereich beim DA15 bei ca. 60 cm. Den Forkusring ab da in Richtung ∞ weiterdrehen, so daß die 1 auf die Markierung Blende 4 zeigt, dann auf 5.6 und dann auf 8. In dieser Stellung das letzte Foto schießen. Wenn die 1 bei Markierung Blende 11 steht, ist der Einstellpunkt ∞ erreicht.

Ab 60 cm Abstand, d.h. Entfernungseinstellung 1 Meter entstehen somit vier Aufnahmen, die in die Berechnung durchgängiger Schärfe eingehen. Soll auf noch kürzere Distanz eingestellt werden, sind mehr Aufnahmen erforderlich. Das DA15 zeigt immerhin die Einstellungen 0.18, 0.2, 0.25, 0.3 und 0.5 unter der 1 Meter-Marke. Sie dienen als Einstellhilfe.  


Bildverarbeitung

Die besten Ergebnisse erziele ich beim Focus Stacking, wenn ich die zu nutzenden Bilder in Capture One auswähle und einheitlich vorbearbeite, diese Bilder dann im Format Tiff 16 Bit exportiere und anschließend in Helicon Focus mit der geeigneten Methode zu einem Bild miteinander verrechne. Das Endergebnis importiere ich dann wieder im Format Tiff 16 Bit in Capture One. Dort erfolgt die weitere Bearbeitung bis zum gewünschten Endergebnis.

Durch das Focus Stacking scheint sich der allgemeine Kritikpunkt der starken Randunschärfe des Pentax DA15 zu relativieren. Eine für mich hilfreiche Erkenntnis. Leider ist Focus Stacking nicht immer einsetzbar, und man benötigt immer ein Stativ und sinnvollerweise einen Fernauslöser. Interessant scheint es mir in jedem Fall auch für Stillleben und Architekturaufnahmen.


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