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Großer Ahornboden

von Uwe Heimburger

»Zu spät« denke ich als ich den großen Ahornboden am Ende des Rißtals, der Eng, erreiche. Dort möchte ich sehen und fotografieren, wie sich das gelbe Blattwerk der berühmten bis zu sechshundert Jahren alten Berg-Ahornbäume gegen die Felswände der umgebenden Berge abhebt.

Doch die ersten Bäume, die ich sehe, haben ihr Laub weitgehend verloren. Sie stehen als dunkle Gerippe in der Landschaft.

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Als ich weiter ins Tal vordringe, finde ich glücklicherweise doch noch den ein oder anderen »gelben« Baum vor. Die »Blütezeit« war wohl vor zwei Wochen Anfang Oktober. So berichtet mir ein Naturfotograf Vorort. Er hat Bilder aus dieser Zeit im Internet gesehen.

Die Anfahrt ist ein Traum. Sie dauert fast zwei Stunden. Blauer Himmel, trocken, die Straßen nicht zu voll und Wälder in buntem Laub entschädigen für die Dauer. Am Sylvensteinstausee mache ich kurz halt, lasse mich von der ruhigen Atmosphäre einfangen und mache ein paar Bilder.

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Dann geht‘s weiter über Vorderriß und Hinterriß zum Ende des Rißtals, der Eng. Eine fantastische Radlstrecke. Ich bin heute allerdings mit dem Auto unterwegs. Der Fahrradträger auf der Anhängerkupplung trägt mein Fahrrad. Es wird mir bei meiner Fototour als "Lastenesel" dienen.

Es ist Freitag. Ich hätte nicht gedacht, dass ich auf so viele Menschen treffen würde. Aber die Eng ist berühmt und im Herbst mit dem großen Ahornboden ein Publikumsmagnet. Da bleibt wenig von der Hoffnung, Natur pur zu erleben und völlig ungestört zu fotografieren. Von den Weidezäunen stehen nur die Pfähle. Verbotsschilder weisen einen nicht in die Schranken. So gelingt es mir durch Wahl der Perspektive die Besucher weitgehend aus den Bildern zu halten.

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Auch die umliegenden Felswände wissen zu beeindrucken.

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Auf dem Rückweg geht's wieder am Rißbach entlang bis ich den Sylvensteinstausee erreiche. Im Verlauf des Tages hat sich die Lichtstimmung deutlich geändert.

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Harry hatte Recht als er letzte Woche meinte, ich müsse mich beeilen. Es könnte fast schon zu spät für den großen Ahornboden sein. Es reichte gerade so eben. Ich finde, der Einsatz hat sich gelohnt!

Aufnahme und Bearbeitung der Bilder

Die Bilder am Sylvensteinstausee entstanden bei herrlich weichem Licht.

Je später es wurde, desto direkter und härter wurde auch das Licht. Dies führt in Bildern oft zu unerwünscht hohen Kontrasten. Insbesondere die Detailzeichnung in Schattenbereichen geht schnell verloren, wenn man ausfressende Lichter vermeiden möchte.

Die Helligkeitsdynamik war so extrem, dass der Fotograf, den ich traf, mit einem Lee-System und Gradationsfiltern arbeitete. Der von ihm verwendete Filter der Stärke 0,9 und somit 3 Blendenstufen war für ihn eher das untere Limit.

Eine andere Möglichkeit mit der großen Helligkeitsdynamik umzugehen wäre, wie in meinem Beitrag Multishot-Techniken nachzulesen, der Einsatz von HDR (High Dynamic Range) gewesen. Hiervon habe ich abgesehen.

Ich habe mich auf den hinsichtlich Helligkeitsdynamik sehr guten Sensor meiner Kamera verlassen und auf geeignete digitale Nachbearbeitung gesetzt. Allerdings halte ich die Anschaffung eines Systems zum Einsatz von Gradationsfiltern für besser. Zu einem Kauf dieser bei hoher Qualität recht teuren Alternative konnte ich mich bisher nicht durchringen.

Da bei hartem Licht Farben meist blaß wirken, habe ich an meinen beiden Optiken einen Polfilter eingesetzt. Einer davon zeigt eine beschädigte Vergütung. Bei einigen Bildern wurde diese bei den vorgefundenen Lichtverhältnissen deutlich sichtbar. Ebenso wiesen einige Bilder Streulicht auf (Beispiel Bild 5). Ob dies auf die beschädigte Vergütung zurückzuführen ist, kann ich nicht beurteilen. Sicherheitshalber werde ich den beschädigten Filter ausmustern.

Im Modus Pixel Shift Resolution entstandene Aufnahmen zeigten anhand der in der Software RawTherapee 5.1 dargestellten Maske der Bildunterschiede überwiegend zu starke Abweichungen, um aus der Technologie großen Nutzen zu ziehen. Daher habe ich die Bilder herkömmlich entwickelt.

Bei einer Reihe von Bildern habe ich lokale Bearbeitungen durchgeführt. So konnte ich den von mir empfundenen Charakter der Lichtverhältnisse weitgehend herausarbeiten.

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