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Bilder organisieren

von Uwe Heimburger

Schon zu Zeiten der analogen Fotografie war es nicht einfach den Überblick über die Bildersammlung zu behalten. Papierbilder landeten in Pappkartons und Fotoalben, Dias in Diakästen und -journalen, ungerahmte verblieben ebenfalls in Kartons. Wer digital fotografiert produziert unendlich viel mehr Bildmaterial. Denn die Bilder kosten lediglich Speicherplatz auf der Festplatte. Die Festplatte wird voller und voller. Da hilft ein klares Konzept beim Auffinden von Bildern und Zusammenstellen von Alben.

Welches die optimale Strategie zur Organsation der Bilder ist, hängt von den persönlichen fotografischen Interessen ab und davon, welche Software man dazu einsetzt beziehungsweise einsetzen möchte.

Für Menschen, die sich auf's Fotografieren im Urlaub und zu bestimmten Anlässen beschränken, kann die Ablage der "Event-Fotos" in Dateiverzeichnissen und event-bezogene Namensgebung für die Fotos genau die richtige Form der Ablage sein. Selbiges gilt für Berufsfotografen, deren Events die Kunden-Aufträge sind. Letzere haben vermutlich weiterreichende Ansprüche hinsichtlich IPTC-Dokumentation und Verschlagwortung. Auch professionelle Raw-Konvertierung und Bildbearbeitungsfunktionen sind dann gefordert, ebenso wie die Möglichkeit Bilder in verschiedensten Formaten zu erzeugen. Der Einsatz einer All-in-One Software zur Unterstützung der Organisation, guter Raw-Konvertierung und Druckfunktion bietet sich dann an. In diese Software-Gattung fallen Capture One und Lightroom.

Mein Ansatz

Wenn ich die Kamera dabei habe, fotografiere ich immer und überall wenn ein potenziell gutes Bild entstehen kann. Einzelne Bilder verwende ich oft in verschiedenen Präsentationen. Sie können Teil des Urlaubsalbums auf dem iPad sein  oder auch in themen-orientierten Alben auf der Foto-Website und in Diashow-Videos eingebunden sein.

Eine flexible Organisationsstruktur hilft dabei Ordnung zu halten. Bis ich zufrieden war, habe ich sowohl die Ablagestruktur als auch die Benennung meiner Bilddateien des öfteren verändert. Seit ein paar Jahren ist sie stabil und flexibel zugleich. Das erreiche ich durch ein zweistufiges System.

Die erste Stufe beschreibt die physische Ablage auf Rechner-Verzeichnisebene, die zweite die logische Struktur in Capture One. In letzterer spielen die Verschlagwortung der Bilder in Kombination mit Intelligenten Alben eine große Rolle. Disziplin bei der Einhaltung der Regeln ist da wichtig.

Software ist der Schlüssel zur optimalen Organisation. Die App Digitale Bilder importiert meine Bilddateien auf den Rechner (Apple Mac). Exiftool benennt die Bilddateien nach meinen Vorgaben um. Ein selbstgeschriebenes Programm sortiert sie in einen temporären Dateibaum ein. OSX Bash-Shellscripte führen das Backup und das Verschieben des Dateibaums in die finale Ablagestruktur durch. Capture One Pro dient der Bewertung, Gliederung in Alben, Pflege von IPTC-Daten, Verschlagwortung, Bildbearbeitung und dem Export verschiedener Bildformate.

Leider habe ich keine App gefunden, die alle Schritte vollständig meinen Vorstellungen entsprechend abbilden könnte. Das macht die Sache ein wenig komplizierter als es sein müßte.

In den folgenden Abschnitten gehe ich auf wesenliche Aspekte etwas detaillierter ein.

Umbenennung der Bilddateien

Die mit der Pentax K-5 aufgenommen Raw-Bilder benenne ich mithilfe des folgenden Kommandos um:

command line> exiftool '-FileName<${dateTimeOriginal}_K5_SC${ShutterCount}.DNG' -d %Y%m%d_%H-%M-%S *.DNG

Da bei den Aufnahmen der K-5 auch der Auslösezähler (Shutter Count) in die Exifdaten geschrieben wird, übernehme ich diesen als eindeutigen aus Raw-Dateien reproduzierbaren Zähler. Nach Umbenennung beginnen die Dateinamen mit Aufnahmedatum und -zeit gefolgt vom Kameratypkürzel K5, dem Kürzel SC für ShutterCount und einer laufenden Nummer, dem ShutterCount.

Beispiel: 20151004_15-39-58_K5_SC14014.DNG

Der Dateiname hilft die Aufnahme historisch einzuordnen. Er ist kein inhaltlicher Indikator. Ich sehe ihn daher eher als eindeutiges Ordnungsmerkmal für die Referenzierung des Bildes in Capture One.

Exiftool

Exiftool ist eine Open Source Software, die es erlaubt alle Exif-Metadaten von Bildern auszulesen und Metadaten zu manipulieren bzw. zu ergänzen. Das Werkzeug ist für die Betriebssysteme Linux, Mac OSX und Windows kostenlos im Internet verfügbar. Damit das Werkzeug aufrufbar ist, ist der Programm-Pfad im Betriebssystem bekannt zu machen. Alternativ kann das Werkzeug mit vollständiger Pfadangabe aufgerufen werden. 

Wer alle Exif-Metadaten eines Bildes anzeigen möchte, kann folgenden Befehl auf der Kommandozeile einsetzen:

command line> exiftool -e -a -u -G -s *.DNG

Die Metadaten aller DNG-Dateien des aktuellen Verzeichnisses werden mit Gruppenbezeichner, Feldname und Wert tabellarisch dargestellt.

Ablage der Bilddateien im Dateisystem

Die Bilddateien lege ich in einer Hierarchie nach folgendem Schema ab:

Kameratyp > Jahr > Woche.

Meine Ablagestruktur auf Betriebssystemebene ist somit keine inhaltliche.

Diese Struktur scheint mir für die von mir produzierten Bildmengen optimal. Ebene Tag wäre zu fein, Ebene Monat zu grob. Leider habe ich keine Software gefunden, die meine Vorstellung erfüllt. Daher habe ich zur Erzeugung ein ensprechendes Programm selbst geschrieben.

Organisation der Bilddateien in Capture One

Capture One bietet zwei grundsätzlich verschiedene Organisationsformen: Sitzungen und Kataloge. Aufgrund der größeren Flexibilität nutze ich fast ausschliesslich Kataloge.

Zur weiteren Strukturierung werden in Katalogen Projekte, Gruppen, Alben und Intelligente Alben angeboten. Bilder werden Intelligenten Alben auf Basis von zu definierenden Regeln automatisch zugeordnet. Sofern sie nicht bereits in den Exif-Metadaten enthalten sind, sind Bildern daher die dafür notwendigen Schlagworte zuzuordnen. Beispielsweise führe ich ein Intelligentes Album "Black & White" mit entsprechender Regel. Jedes Schwarz-Weiss Bild erhält das Schlagwort "Black & White" und wird daher automatisch zugeordnet.

Meine Ablagestruktur habe ich in die Gruppen Präsentationen, Themen-Alben, Event-Alben und Bilder-Serien gegliedert. So sind unter der Gruppe "Event-Alben" Urlaubsreisen als Alben organisiert und unter "Themen-Alben" ist das Intelligente Album "Black & White"  angesiedelt.

Neben dieser statischen Struktur bieten Filter-Werkzeug und Suche umfassende Funktionen Bilder zu finden.

Statt der Bilddateien importiere ich Referenzen auf die im Dateisystem abgelegten Originaldateien. Dadurch wird Speicherplatz für jedes Bild nur einmal im Dateisystem belegt. Nach dem Import erhalten alle Dateien ein paar grundlegende Metadaten, u.a. einen Copyright-Vermerk.

Die Dateien, die ich weiterverwenden und bearbeiten möchte, erhalten als Markierung einen Stern. Bei Bedarf lege ich ein neues Album in der Basisstruktur an und verschiebe die mit Stern gekennzeichneten Bilder dorthin.

Abschliessende Anmerkungen

Mit diesem Artikel wollte ich zeigen, wie ich bei der Bilderorganisation vorgehe. Letztlich führen viele Wege nach Rom. Meiner passt zu meinen Anforderungen. Um Bilder aus tausenden wiederzufinden, effizient in die Bearbeitung einzusteigen oder Präsentationen zu erstellen kann für Andere ein alternatives Vorgehen sinnvoll sein.

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